Möwe

Professionell

Wenn Überstunden zur Regel werden, jeder Tag einer bodenlosen Erschöpfung gleicht und trotzdem das Leben aus eigener Kraft nicht zu bewältigen ist, läuft etwas grundlegend falsch. Ohne die deutsche Sprache zu beherrschen ist es schwierig, wenn man aus Osteuropa oder sonst wo kommt und in Hamburg Fuß fassen will – oft endet diese Geschichte dann in der Obdachlosigkeit. Millionen solcher Fälle gibt es in Deutschland. Recht selten wird über sie berichtet, noch seltener so fundiert.

Die Autorin hat Obdachlose aus Osteuropa in ihrem täglichen Leben angetroffen. Meist erzählen sie ihre Sorgen, halten sich mit Klagen zurück. Gerade deshalb sind diese O-Töne so bedrückend-beeindruckend. Fachleute ergänzen die Stimmen der Betroffenen mit allgemeinen Informationen zur Situation dieser „Obdachlosigkeit“, ordnen sie ein, machen Vorschläge zur Abhilfe. Die Experten haben keine einfachen Rezepte parat. Das Feature ist deshalb nicht etwa ein plattes Plädoyer für das Winternotprogramm oder gegen die Obdachlosigkeit in Hamburg. Es ist ein Plädoyer das die Augen öffnet, danach verlangt, sich dieser Menschen anzunehmen – denn unter diesen Bedingungen, ist das Leben alleine nicht zu meistern. Eine herausragende Ausnahme war in dieser Kategorie Die TIDE aktuell Hörschwelle. Nele Larsen mit ihrem halbstündigen Feature „Endstation Treppenhaus“. 

XXL

Sie haben auch ein Hörspiel daraus gemacht. Die Geschichte: Franz und Brigitte haben ne Ladung Nüsse an Bord und fragen sich aufm Weg zwischen Dschungel und Speicherstadt: wohin damit? Und Heinrich und Otto laden die Säcke aus. Das Hörspiel ist dann noch verwoben mit einer Führung durch das Speicherstadtmuseum. Was wir da über den Handel von früher erfahren haben, das ist unterhaltsam verpacktes und informatives Radio. Produziert von der Grundschule Tonndorf und das in echt sportlich kurzer Zeit.  Also, unser Preis in der Kategorie XXL geht nach Hamburg: Haste Töne - vom Dschungel bis in die Speicherstadt, gesendet ziemlich genau vor einem Jahr Mitte November bei TIDE. Herzlichen Glückwunsch an: Anais, Arthur, David, Demet, Duc [sprich Duk], Elissa, Jule, Jule und Luke und an Gudrun Leopold!

Classic

Die feine Beschreibung einer Persönlichkeit, die mit einem starken Willen ihren Alltag verfolgt. Trotz der Hindernisse, die unsere Welt ihr ununterbrochen in den Weg stellt. Als Hörer wurde ich, oder wurden wir, zum unaufdringlichen Begleiter eines Blinden.

Die Autoren lassen für den Radiohörer nicht die Geschichte Revue passieren, sondern einen Mann vorbeischreiten, der davon träumt, einen Fallschirm Tandemsprung zu machen.  Ein Beitrag, der besonders auffällt, weil er kurz und knackig ist. Und wie eine gute Freundin von mir immer sagt, in der Kürze liegt die Würze.

Es ist eine Geschichte, die die Jury von Anfang an gepackt hat. Es ist ein bewegendes Porträt.

Der Beitrag besticht durch seine Sachlichkeit, die unspektakuläre, fast nüchterne Sprache der Erzähler und das auffallend gefühlvolle Arrangement der O-Töne. Ein unaufgeregtes Portrait eines beeindruckenden Mannes, der beim Radiohören zum Innehalten auffordert und zum Nachdenken: Nicht über ein Handicap, als was das Blindsein oftmals dargestellt wird, sondern über die wahren Werte des Lebens. Und wie es ist, blind zu sein. Der Hörmöwe Preis in der Kategorie Classic geht an „Ein Leben ohne Licht“ von Jonas Apel und Kian Nölling aus der TIDE Ferienakademie. 

Aircheck

Das Teilnehmerfeld war das kleinste, aber heiß umkämpft.
Aircheck, das heißt ja ganz vieles für Radiomacher: Es soll Lust machen aufs Hinhören. Es soll überraschen, unterhalten, informieren, es soll was passieren, ohne peinlich zu werden und ohne den Faden zu verlieren. Und das ist eine Partitur, die man in Kiel ganz offenbar sehr gut spielt. In der engeren Auswahl ist die Hälfte der Einreichungen an der Förde gesendet worden. Einmal vom „Jugendradio“ und einmal von „Kiel dreht auf“.

Genau an die Erwartungen haben sich die Macher gehalten. Prima Flow in der Sendung, schön produziert – mit bunten Ideen, schönen Einspielern, mit einer  - wie man im Radio so sagt – „Personality“ am Mikrofon.

Dazu überraschend: Ob Ufos in Kiel, die sich als LED-beleuchtete Möpse rausstellen, also Möpse auf VIER BEINEN.

Oder mit Anbaden in der sechs Grad kalten Förde, oder, das hat mir am besten gefallen: die schöne Idee, auf der Straße mal zu fragen:

„Mal angenommen, der Sommer wäre eine Person, was man der gerne mal sagen möchte. Eine der Antworten: „Junge, komm bald wieder“.“

Das rufe ich jetzt auch dem Verantwortlichen zu:

Kiel dreht auf, Mehr Kiel, mehr Musik. Die Hörmöwe in der Kategorie Aircheck geht an Burkhard Seresse!

Team Award

Boots are made for Walking… Stiefel sind zum Gehen gedacht. Und das Format SchnappFisch ist dafür bekannt, dass es Themen besonders anpackt. Wie in diesem Fall alle Fragen rund um das Thema „Füße“. Wie beispielsweise: Wie groß ist der größte große Zeh? Hätten Sie das gewusst? Die Antwort lautet: Ganze fünf Zentimeter. Die Radiomacher der 10. Klasse des Gymnasiums Lerchenfeld sind angetreten diese banalen und einige andere interessante Fragen mit diversen Formaten, von Reportage, über Umfrage bis hin zu Quiz alles rund um das Thema „Füße“ zu lösen. Von der anonymen Marathonläuferin, der Fußmalerin, dem Dinosaurier Bigfoot bis zur Fußphobie von Frauen - deshalb kaufen Frauen Schuhe? - wurden viele Fragen gelöst - und dazu auch die passende Lieblingsmusik gewählt.

Wir gratulieren für diese besondere Team-Leistung mit der Hörmöve!